Die Lüftungsschächte, Dekontaminationskammern und Schlafräume sind in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten geblieben – in institutionellem Grün gestrichen, mit Notrationen aus Sowjetzeiten bestückt und mit kyrillischen Beschriftungen versehen.
Oberirdisch beginnt die Prag-Kommunismus-Tour an einem unauffälligen Eingang in der Altstadt, wo Guides Gruppen durch eine Ausstellung führen, die den Wandel der Tschechoslowakei vom Nachkriegsoptimismus über den Prager Frühling und die anschließende Invasion des Warschauer Paktes bis hin zur Samtenen Revolution dokumentiert. Originale Propagandaplakate säumen die Wände. Radiotranskripte vom August 1968 laufen in Dauerschleife. Eine Reihe von Wahlkabinen, die jeweils so manipuliert waren, dass ein einziges Ergebnis gewährleistet war, ist intakt erhalten. Die Artefakte sind nicht theatralisch arrangiert; sie werden in der Reihenfolge ausgestellt, in der sie archiviert wurden.
Der Abstieg in den Bunker erfolgt auf halber Strecke der Tour. Betontreppen führen drei Stockwerke unter Straßenniveau. Notbeleuchtung wirft Schatten durch Korridore, die für ein 14-tägiges Überleben ohne Außenkontakt konzipiert waren. Der Befehlsraum bewahrt Wählscheibentelefone, wandmontierte Karten und ein Handbuch für den Zivilschutz. Die Schlafräume enthalten Stahlbetten, die jeweils mit einer Ministeriumsbezeichnung versehen sind. Das Luftfiltersystem, das in der Lage ist, kontaminierte Atmosphäre zu reinigen, nimmt eine ganze Kammer ein.
Diese Prag-Kommunismus-Bunkertour findet täglich um 14:45 Uhr statt und ist auf kleine Gruppen beschränkt, um die Bausubstanz des Ortes zu bewahren und eine intensive Auseinandersetzung mit dem Guide zu ermöglichen. Das Erlebnis dauert zwei Stunden. Besucher durchqueren sowohl die oberirdische Ausstellung als auch den unterirdischen Schutzraum und stoßen auf Objekte, die das tägliche Leben unter einem Überwachungsstaat definierten – Identitätsausweise, Lebensmittelmarken, zensierte Zeitungen. Die Tour endet wieder an der Oberfläche, doch die psychologische Geographie bleibt. Aufzeichnungen der Prag-Kommunismus-Tour zeigen, dass seit der öffentlichen Zugänglichkeit im Jahr 2015 über siebzigtausend Besucher diese Gänge durchwandert haben und jeder mit den materiellen Überresten eines Systems konfrontiert wurde, das vier Jahrzehnte lang einundzwanzig Millionen Menschen regierte.